Inhaltsverzeichnis und Leseprobe aus:

S. Manhart / M. Pfeifer / R. Voderholzer:
Bei Gott stets für uns Fürsprach tut

Die Vierzehn Nothelfer in der Pfarrkirche St. Konrad, Haar bei München
102 Seiten, 12,5 x 21,5 cm, 19 farbige Abbildungen, Fadenbindung, fester Einband
EUR 20,-- ISBN 3-933915-01-5 Verlagsatelier Michael Pfeifer Würzburg

Inhaltsverzeichnis

Ihr Freunde Gottes!

Im »Herbst des Mittelalters«

Was sind eigentlich Legenden?

Die Geschichte der Verehrung der Vierzehn Nothelfer

Die Haarer Nothelfer-Figuren

Achatius
Ägidius
Barbara
Blasius
Christophorus
Cyriakus
Dionysius
Erasmus
Eustachius
Georg
Katharina
Margareta
Pantaleon
Vitus

Bruder Konrad von Parzham ein fünfzehnter Nothelfer

Jesus Christus unser Nothelfer

Nothelfer-Verehrung heute

Anmerkungen und Literatur


Christophorus

Schwer trägt er an dem Kind auf seiner Schulter. Um das Gleichgewicht zu halten, stützt er sich auf einen Stock, so groß wie ein Baumstamm. Er trägt das Kind und blickt gleichzeitig zu ihm auf.

Die Legende erzählt von einem riesenhaften Mann aus dem Lande Kanaan namens Reprobus; zwölf Ellen mißt er und furchterregend sieht er aus. Nur dem mächtigsten Herrn der Welt will er dienen. So macht er sich auf den Weg zu einem großen König und tritt in dessen Dienst. Ihm war gesagt worden, es gäbe keinen größeren Fürsten in der Welt.

Eines Tages singt vor dem König ein Spielmann. Als in einem Lied der Name des Teufels fällt, erschrickt der König und wird bleich. Da erkennt Reprobus, daß es einen Mächtigeren geben muß als seinen derzeitigen Herrn. Er verläßt den königlichen Hof und findet den Teufel als schwarzen Ritter an einem abgelegenen Ort. Im Dienst des Teufels zieht er nun mit ihm und dessen wüster Begleiterschar durchs Land. Als sie eines Tages an ein Wegkreuz kommen, kann der Teufel mit seinen Kumpanen daran nicht vorbei, sondern muß einen großen Bogen um das Kreuz herum machen. Er kann nicht verhehlen, daß er sich vor diesem Zeichen fürchtet.

Nun verläßt Reprobus den Teufel und macht sich auf die Suche nach dem Gekreuzigten. Lange zieht er durchs Land ohne Erfolg. Schließlich trifft er auf einen Einsiedler, der ihm bestätigt, daß Christus der Mächtigste auf der Erde und im Himmel ist. Wie aber in seinen Dienst treten?
»Der König, dem du dienen willst, begehrt, daß du viel fastest.«
Antwortet Reprobus: »Er fordere von mir ein ander Ding, denn dies vermag ich nicht zu tun.«
Spricht der Einsiedler: »Es ist not, daß du viel zu ihm betest.«
Antwortet Reprobus: »Ich weiß nicht was das ist, und kann ihm darin nicht dienen.«

Der Einsiedler verzweifelt fast bei diesem Gespräch. Aber dann findet er doch noch eine Lösung. Er schlägt ihm vor, Menschen zu dienen und, weil er groß und stark sei, Reisende über einen gefährlichen Fluß zu tragen.

Diese Aufgabe erfüllt Reprobus jahrelang, Tag und Nacht. Eines Nachts hört er die Stimme eines Kindes: »Setz mich über!« Reprobus steht auf und geht vor die Hütte, sieht aber niemand. Er legt sich wieder hin, um weiterzuschlafen. Da hört er erneut die Kinderstimme, geht vor die Hütte und findet wiederum niemand. Ein drittes Mal hört er das Kind rufen, und jetzt sieht er es am Flußufer stehen. Er nimmt das Kind auf seine Schulter und beginnt den Marsch durch den Fluß. Je näher er aber zur Mitte des Flusses kommt, desto schwerer wird das Kind und desto höher steigt das Wasser. In der Flußmitte drückt das Kind seinen Kopf unter Wasser. Nur mit höchster Anstrengung gelingt es dem Riesen, das andere Ufer zu erreichen. Dort angekommen, setzt er das Kind ab und sagt: »Du hast mich in große Gefahr gebracht; ich dachte, die ganze Welt ruhe auf meinen Schultern.« Das Kind antwortet ihm: »Nicht nur die Welt hast du getragen, sondern den, der sie schuf. Du trugst Christus, dem du mit deiner Kraft dienst. Steck deinen Stock in den Boden neben deiner Hütte; er wird blühen und Früchte tragen als Zeichen und Bestätigung deiner Taufe.« So geschah es, und von diesem Tag an nannte er sich nicht mehr Reprobus, sondern Christo-phoros, das heißt Christus-träger.

Nach der Legenda Aurea zieht Christophorus später nach Lykien (südliches Kleinasien), wo er das Evangelium verkündet und den Märtyrertod erleidet.

Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden. Deshalb finden sich seit dem 12. Jahrhundert in vielen Orten, vor allem an Handelswegen, weithin sichtbare Darstellungen von Christophorus. Ein morgendlicher Blick darauf soll an jenem Tag vor einem jähen und unvorbereiteten Tod schützen. Auch in vielen Darstellungen der Vierzehn Nothelfer ist der hl. Christophorus Blickfang und Mittelpunkt, thront auf seinen Schultern doch der segnende Christus, Ursprung der Heiligkeit und Inbegriff aller Hilfe. In unserem Jahrhundert wurde der Heilige auch zum Patron der Autofahrer. Verbreitet ist der Brauch, im Auto eine Christophorus-Plakette anzubringen. Mancherorts findet zum Christophorustag auch eine Fahrzeugsegnung statt.

Christophorus ist eine stark legendenhafte Figur. Daß es ihn gab und daß er als Märtyrer starb, läßt sich aus der frühen Verehrung des Heiligen und aus frühen Kirch- und Klosterweihen zu seiner Ehre ableiten. So wurde um 452 in Chalcedon (heute ein Stadtteil von Istanbul), im Jahr nach dem großen Konzil, eine Christophoruskirche geweiht und gegen 600 in Galatien ein Frauenkloster unter das gleiche Patronat gestellt. Eine solche Ehre wurde zu dieser Zeit nur Märtyrern zuteil.

Sein Gedenktag ist der 24. Juli.

Gebet aus Vierzehnheiligen

Heiliger Christophorus,
du hast das Christuskind sicher
durch die gefährlichen Fluten getragen.
Geleite auch uns durch alle Gefahren des Straßenverkehrs
und gib, daß wir durch unser Verhalten im Verkehr
niemand gefährden oder verletzen.
Schütze unsere Heimat vor Wasser- und Feuersnot.

Christophorus, Treuer, behüt' uns am Steuer.


S. Manhart / M. Pfeifer / R. Voderholzer:
Bei Gott stets für uns Fürsprach tut
Die Vierzehn Nothelfer in der Pfarrkirche St. Konrad, Haar bei München
102 Seiten, 12,5 x 21,5 cm, 19 farbige Abbildungen, Fadenbindung, fester Einband
EUR 20,-- ISBN 3-933915-01-5 Verlagsatelier Michael Pfeifer Würzburg
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