Schlacht bei Dettingen

am 27. Juni 1743

Am 27. Juni des Jahres standen sich bei Dettingen im Rahmen des österreichischen Erbfolgekrieges die pragmatische Armee und die französischen Truppen gegenüber. Es kam zur entscheidenden Schlacht, in der die pragmatische Armee aus Engländern, Hannoveranern, Österreichern und Hessen den Sieg davontrug. Die heutige Flurbezeichnung „Heißeracker“ östlich des Dorfes spielt möglicherweise auf das Schlachtgeschehen an, könnte aber auch auf eine ältere Bezeichnung „Häuseracker“ zurückgehen.

Zur Siegesfeier in London komponierte Georg Friedrich Händel (1685–1759) im Auftrag des englischen Königs Georg II. das „Dettinger Te Deum“ und das „Dettinger Anthem“, eine Musik, die im Morgen- oder Abendgebet der anglikanischen Kirche ihren Ort hat.

Zur Erinnerung an das kriegerische Ereignis wurde 1981 in der Nähe des Schlachtfeldes ein Gedenkstein mit der Mahnung „Haltet Frieden“ aufgestellt.

Siegel

Ein zeitgenössisches Zeugnis der Schlacht bei Dettingen

In den Annalen sind Daten und Beurteilungen zu Ereignissen großer Politik, zu Kriegen, Schlachten oder Herrschaftswechseln leicht zu finden. Selten aber überdauern Nachrichten von Beteiligten, die ihre eigene Betroffenheit zum Ausdruck bringen.

Im Folgenden soll ein Brief eines französischen Offiziers vorgestellt werden, der, unmittelbar nach der Schlacht geschrieben, an eine Verwandte in Beleme adressiert ist. Philatelistisch ist er als Feldpostbrief einzuordnen. Der Stempel „Arm: du Rhin.“ ist kennzeichnend dafür. Die Zahl 16 rechts unten auf dem Anschriftenfeld ist ein Tax-Vermerk, bezieht sich also auf die zu entrichtende Beförderungsgebühr. An sich ist Feldpostübermittlung gebührenfrei; hier jedoch wurde offensichtlich von der Empfängerin eine Gebühr erhoben.

Vorderseite des Briefes

Geschrieben ist der Brief auf einen Bogen Papier im Format 32,6 x 22,3 cm. Es trägt als Wasserzeichen ein Mischwesen aus Löwe und Adler. Zum Versand ist der Bogen auf das Format 10,2 x 6,8 cm gefaltet und auf der Rückseite versiegelt worden.

Der Verfasser gibt den 30. Juni 1743 als Abfassungsdatum an, nur drei Tage nach der Schlacht auf dem „heißen Acker“. Der Gattung nach handelt es sich um einen Privatbrief und ist Teil einer Korrespondez, die wohl während des gesamten Kriegszugs bestand und dem Offizier die Möglichkeit gab, an den „Vorhaben in der Provinz“ Anteil zu behalten. Trotz seines privaten Charakters läßt er doch Rückschlüsse auf die innere Organisation der Heere dieser Zeit, ihre Kommunikations- und Transportmöglichkeiten zu.

In einem kleinen Nachsatz – er enthält das für uns Interessanteste – wertet der Absender den Verlauf der Schlacht. Er geht mit der eigenen Generalität hart ins Gericht. In „keinem Punkt“ hätten sie die strategischen Pläne des Marschalls de Noaille ausgeführt. Seine Anklage zeugt von einer gehörigen Portion Zivilcourage. Offenbar braucht er keine militärische Zensur zu fürchten.

Der Brief ist in einem alten Französisch abgefaßt und wird hier gleich in der Übersetzung wiedergegeben:

Verehrte Madame, werte Cousine,
ich bin umso mehr über den Brief überrascht, den heute Herr von Levrie er hielt, als ich anfing, mich über Ihr Schweigen trotz des Eifers zu beklagen, mit dem ich Sie gebeten hatte, von sich hören zu lassen; und wie sehr schmeichelten Sie mir durch den Brief mit Datum vom 22. Mai und einen vorhergehenden, gerichtet an Herrn Clotet, Schuhhändler auf dem Markt zu Beleme.

Ich zeigte Ihnen an, daß mein Kamerad und ich ein Packpferd verloren, das wir uns neu kaufen mußten. Und überdies ward mein Reitpferd am Tage der Schlacht vom 27. Juni unter mir getötet. Das setzt mich außerstande, mein Gepäck mitzunehmen und zwingt mich, es liegenzulassen, umsomehr als Herr von Levrie sich außerstande sieht, mir den Gefallen zu tun, um den Sie ihn für mich bitten.

Da ich Ihre Briefe so ziemlich richtig empfangen habe, bitte ich Sie, mir den Stand aller unserer Vorhaben in der Provinz zu berichten und vor allem auch über Ihre Freundschaft mir gegenüber, mit deren Hilfe ich alle Schicksals schläge leichter ertragen kann und zwar unabhängig von den großherzigen Angeboten, die Sie mir machen und um deren Ausführung ich Sie wegen meiner mißlichen Lage bitten muß, indem Sie an Herrn Malmin, Sekretär der leichten Reiterei in Versailles, zwei leichte Pferde schicken, die mir dann vom Major bei der Armee zurückgegeben werden.

Ich spreche nicht von dem Unglück, welches das Königshaus in der Schlacht durch den Fehler der Generäle getroffen hat, die den Plan des Marschalls de Noaille in keinem Punkte ausführten. Glücklicherweise kam ich einigermaßen ungeschoren davon, lediglich mein Pferd hatte Pech.

Ich habe die Ehre, mit dem Ausdruck der größten Ehrerbietung, Madame, verehrte Cousine, Ihr bescheidener und gehorsamer Diener Pebiuille zu sein.

den 30. Juni 1743

R&uuml:ckseite des Briefes

Der Feldpostbrief wurde von Herbert und Michael Pfeifer erstmals beschrieben in: Unser Kahlgrund 38 (1993) 32–33
© 2002 Michael Pfeifer
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