Ostern
auf Patmos

Es ist ein besonderes Erlebnis, Ostern auf Patmos zu feiern. Wie in Griechenland allgemein sind die Heilige Woche und die folgenden österlichen Tage geprägt von den Gottesdiensten der orthodoxen Kirche und vielfältigem Brauchtum. Einzigartig auf Patmos ist allerdings die Fußwaschung am Mittag des Gründonnerstages auf dem Hauptplatz von Chora. In ähnlicher Form wird sie heute nur noch in Jerusalem gefeiert.


Je vier Diakone mit duftenden Weihrauchfässern (zwei davon sind im Hintergrund zu sehen) geleiten je zwei Priester, die zwei Apostel darstellen, zum Podium, das für die Zeremonie der Fußwaschung auf dem Dorfplatz von Chora aufgebaut ist.


Zuletzt wird der Abt des Klosters er vertritt die Rolle Christi zum Podium geleitet. Er trägt den Abtsstab und das Segenskreuz.


Das Evangelium von der Fußwaschung wird mit verteilten Rollen vorgelesen. Der kurze Bericht im Johannesevangelium ist durch zahlreiche weitere Bibelstellen (vorwiegend aus den Abschiedsreden) zu einem eindrucksvollen Wechselgespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern kompiliert. Ein jeder der Jünger fragt seinen Herrn: "Warum willst Du mir die Füße waschen?", worauf Jesus immer eine andere Antwort gibt.


Wie es im Evangelium heißt, legt der Abt sein Obergewand ab


und gürtet sich mit einer Schürze.


Jedem einzelnen seiner Jünger wäscht er nun die Füße.


Ansicht des Podiums und des dahinter liegenden Inselpanoramas (1994).


Opferkerzen im Klosterhof.


Verehrung des Grabtuchs am Karfreitag.


Am Ostersonntag feiert man die Vesper der Liebe. Der Abt teilt dabei an die Gläubigen die typisch griechischen Ostereier aus. Ihre rote Farbe symbolisiert das Blut Christi, das er für uns vergossen hat.


Am Abend des Ostermontags findet auf dem Hauptplatz in Skala ein großer Empfang für alle Bürgerinnen, Bürger und Gäste statt. Lammfleisch und Wein werden aufgetischt und man tanzt bis in die Nacht hinein.

Mehr zur Fußwaschung auf Patmos finden Sie im Beitrag von Martin Petzolt 
"Byzantinische Fußwaschung auf Patmos", in: Der Christliche Osten 46 (1991) S. 4547.

Fotos und Texte von Michael Pfeifer
© 2001